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Es war einmal ein Fernsprechkiosk

Früher stand sie an jeder Ecke, heute sieht man sie nur noch selten – die gute alte Telefonzelle. Die erste ihrer Art, damals noch Fernsprechkiosk genannt, wurde am 12. Januar 1881 in Berlin in Betrieb genommen. Die Telefonhäuschen erfreuten sich schnell größter Beliebtheit, denn nach dem Einwurf weniger Münzen konnte man endlose Dauergespräche führen. „Fasse Dich kurz!“ stand daher von den 1930er bis in die 1970er Jahre in großen roten Lettern neben den Telefonen.

Fasse dich kurz im Telefonhäuschen
© Bernd Klenk

Was die Gestaltung und Farbgebung angeht, wurde die Telefonzelle 1932 reichsweit normiert. Neben gelben Fernsprechern, wie wir sie kennen, gab es auch blaue und rote. Ab 1946 wurde allerdings einheitliches Gelb vorgeschrieben. In den 90ern wurde die Telefonzelle dann in den Telekom-Farben Grau/Magenta eingeführt – inklusive einem Schlitz für Telefonkarten – eine technische Neuerung!

Retro Telefonzellen Depot Heusenstamm
© Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Wie schnell sich Kommunikation ändert, sieht man, wenn man aus dem Haus geht. Heute besitzt statistisch gesehen jeder ein Handy und wegen der räumlichen Unabhängigkeit haben wir eine ständige Verbindung in die Welt – jederzeit und überall. Das bedeutet endlose Kommunikationsmöglichkeiten ohne „Münzen“ einzuwerfen oder stehend einen übergroßen Hörer ans Ohr zu halten.

Doch war nicht grade das „Kurzfassen“ in der kleinen gelben Zelle, das, was Menschen in der realen Welt kommunikativer machte? Waren nicht die kleinen Telefonstreiche, die man als Kind aus dem Häuschen machte, der Spaß des Tages? Dass man seine Mitmenschen nicht überall und jederzeit erreichen konnte, machte die Beziehungen doch letztlich freundlicher und offenherziger.

Die gute alte Telefonzelle wird in Zukunft wohl nur noch eine nostalgische Erinnerung sein. In Köln gibt es derzeit noch geschätzte 300 Stück. Die Kästen werden nach und nach abgebaut und, wenn überhaupt, durch silberne Säulen der Telekom ersetzt. Manche verwandeln sich in kleine öffentliche Büchereien, Kunstwerke oder WLAN-Hotspots und erhalten so neue, nützliche Funktionen.

Einerseits ist es schade, dass das gelbe Stück deutsche Geschichte in der nahen Zukunft wirklich Geschichte sein wird, andererseits gibt es glücklicherweise noch ein paar Leute, die die Telefonzellen zweckentfremden und ihnen so einen Platz auf unseren Straßen sichern. Und das ist definitiv sinnvoll.

Telefonzelle als Bücherei umfunktioniert
© nachbarsgarten.blogspot.com

Übrigens: Wer sich eine Telefonzelle kaufen möchte – die Farbkombination Grau/Magenta ist je nach Typ und Zustand ab 450 Euro zu haben. Die gelben Retro-Telefonhäuschen sind leider vergriffen.

Gastautor: Hasret Kücükbulut | http://chizgi.wixsite.com/hasretkucukbulut

Eigentlich Praktikantin in der Grafikabteilung, wurde Hasret nun auch mal zum Sinnfinder. In diesem Artikel gibt sie uns einen kleinen Einblick in die Geschichte der Telekommunikation.

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Sinn oder Unsinn?

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