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Gleichberechtigung beim Sport durch Verschleierung?

Deutschland diskutiert über das Burkaverbot am Arbeitsplatz, die USA sogar über den „Muslim Ban“. Jetzt hat die Sportmarke Nike eine Hijab-Kollektion herausgebracht. Ein politisches Signal? Oder marktwirtschaftliches Kalkül?

Das US-amerikanische Unternehmen präsentierte vor zwei Wochen den „Nike Pro Hijab“. Dabei handelt es sich um eine spezielle atmungsaktive und rutschfeste Kopfbedeckung für muslimische Athletinnen. Der Zeitpunkt war perfekt gewählt: Wenige Tage nach Erscheinen der ersten Vogue Arabia mit dem verschleierten US-amerikanischen Supermodel Gigi Hadid auf dem Titel und kurz vor dem  Weltfrauentag. Mit dem „Nike Pro Hijab“ sollen nun auch muslimische Mädchen und Frauen zum Sport animiert werden, die bislang immer wieder Wettbewerbsnachteile durch das traditionelle Kopftuch hinnehmen mussten. Eine Kampagne, die ermutigt. Dass das Unternehmen aber auch Umsatz machen will, steht außer Frage. Und mediale Aufmerksamkeit ist beim Thema Kopftuch sowieso garantiert.

Allerdings ist Nike mit seiner Produktneuheit keineswegs ein Pionier auf dem Markt. Bei den Olympischen Spielen und anderen sportlichen Großereignissen sind muslimische Athletinnen mit entsprechender Ausrüstung schon lange keine Ausnahme mehr. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür ist die ägyptische Beachvolleyballerin Doaa El-Ghobashy, die mit Verschleierung bei über 40 Grad hervorragende Leitungen abliefert.

Beachvolleyballerin Doaa El-Ghobashy während einem Spiel bei der Olympia 2016.
Beachvolleyballerin Doaa El-Ghobashy bei Olympia 2016. (©Welt)

Tatsächlich ist weniger das Produkt außergewöhnlich als der Zeitpunkt, an dem Nike Musliminnen zu seinem Aushängeschild macht. Ausgerechnet jetzt, zu einer Zeit, in der der US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus an Einreiseverboten für Menschen aus islamisch geprägten Ländern bastelt und von einem zentralen Register für Muslime träumt, hat es eine politische Signalwirkung, wenn man Frauen mit Kopftüchern als Ikonen des Sports inszeniert. Das Bild wirkt in beide Richtungen: Es könnte Vorbehalte in westlichen Gesellschaften relativieren sowie starre Rollenbilder in der muslimischen Welt.
Insofern eine sinnvolle Aktion, da hier ein richtiges Signal gesendet wird, welches auch und vor allem in der westlichen Welt einen Diskurs auslöst.

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