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Having no Selbstironie is bitter

Über die Selbstüberschätzung der Werbetexter, die die Fernet-Branca-Kampagne kreierten, hat sich Clemens bereits in einem Beitrag vor einem Jahr ausgelassen. Nun zieren die Plakate des italienischen Kräuterlikörherstellers wieder etliche Hauswände unserer Großstädte. Und die Sprüche darauf sind frecher als je zuvor.

„Früher gab es hier ehrliche Arbeiter. Jetzt gibt es Werber.“ steht auf einem Plakat in Hamburg-Ottensen. Ein paar hundert Meter entfernt der Spruch „In Hamburg arbeiten die besten Werbetexter Deutschlands – und ich.“ Beides sind selbstironische Sprüche, mit denen ihre Urheber die Werbebranche – und damit auch sich selbst durch den Kakao ziehen.

Zunächst einmal kein Grund, sich aufzuregen. Rüffel dieser Art sollte man mit Humor nehmen. Doch Raphael Brinkert, Geschäftsführer von Jung von Matt/Sports, sieht das anders. Er fühlt sich von der Werbung persönlich diskriminiert und reichte sogar eine Beschwerde beim Werberat ein. Übertreibt er da nicht ein bisschen?

Ich finde: auf jeden Fall! Selbstironie ist eine der besten Arten von Humor und wer die in den falschen Hals bekommt, ist selbst schuld. Dieser Meinung ist auch die Geschäftsführerin von Borco Marken-Import, verantwortlich für die Vermarktung von Fernet-Branca in Deutschland: „Es liegt in der Natur der ‚Life is bitter‘-Kampagne, Menschen zum Schmunzeln zu bringen und auch an der einen oder anderen Stelle anzuecken. (…)“ Und obendrein ist Provokation in der Werbung natürlich die beste Art, ins Gespräch zu kommen. Daher gibt’s für die Fernet-Branca-Kampagne von mir das Prädikat sinnvoll!

Übrigens: Gegenüber unserer Agentur hängt auch ein Fernet-Branca-Plakat, das die Kölner in ihrem eigenen Dialekt als schäl (= schlecht, falsch) beleidigt. Doch warum sich angegriffen fühlen, wenn man auch einfach mitlachen und anschließend gemütlich nach Hause auf die „Schäl Sick“ fahren kann?

Fernet-Branca Plakat in Köln
© Sinnfinder

 

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