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Mit Fritten und Burgern für mehr Liebe

Nach Burger King jetzt also auch Mäcces. Die konkurrierenden Burgerbräter sind sich immerhin bei einer Sache einig: Love is love. Burger King lässt aus Burgerasche Diamanten für ein schwules Paar pressen, McDonald’s macht sich auf Postern für gleichgeschlechtliche Liebe stark.

Image credit: McDonald’s

In unserer Agentur wurde schon die Burger King Kampagne aus dem Vormonat diskutiert. Die „Whopper Diamonds“, angeblich erschaffen aus der Asche von Burgern, wurden in Eheringe gefasst, mit denen sich ein schwules Paar in einem emotionalen Kurzfilm das Eheversprechen gibt. Ich fand den Spot gut – ich bin nah am Wasser gebaut, mit Liebe kriegt man mich immer. Und ich fand die Message so gut und das Video so nett produziert, dass ich erstmal nicht hinterfragte, ob ich Burger King diese CSR Maßnahme überhaupt abnehme. Ich bin gefühlt einmal in fünf Jahren bei der Fastfoodkette und, was deren Bestrebungen zu Diversity und Equality betrifft, nicht auf dem aktuellsten Stand. Erst im Gespräch mit meiner Kollegin Nina, die sich eben diese Frage gestellt hatte und die Kampagne danach in einem ganz anderen Licht sah, begann sich meine anfängliche Begeisterung für den Spot zu trüben.

Image credit: Burger King

Und dann kommt McDonald’s mit seinem Beitrag um die Ecke. Die Postermotive bleiben für mich emotional Meilen hinter Burger King, und auch hier frage ich mich jetzt: Ist das alles nicht nur schöner Schein? Die Werbebranche hat den Juni natürlich längst für sich entdeckt. Im Pride Month flimmert Social Media nur so vor Regenbogenfarben. Und neben Marken, für die die Pride ein Natural Fit ist – weil sie sich seit Jahren für die Rechte der LGBTQ+ Community engagieren, mit queeren Künstlern zusammenarbeiten, etc. – gibt es eben auch solche, die sich nur für ein ein paar Tage einen bunten Anstrich geben, ohne dass das Produkt irgendwie auf die Zielgruppe zugeschnitten wäre oder ein Teil des Erlöses für einen entsprechenden guten Zweck gespendet würde.

Aber zurück zu Burger Kind und McDonald’s. Haben sich beide Unternehmen in der Vergangenheit durch Maßnahmen zu Diversity und Equality besonders hervorgetan? Nein. Müsste ich als jemand, der nicht der sozialen Norm der Heterosexualität entspricht, wirklich keine Angst vor Anfeindungen haben, wenn ich bei einer der Ketten arbeite oder mit meinem Partner dort einen Burger essen möchte? Diese Frage kann ich nach wie vor nicht beantworten. Und ein fader Beigeschmack bleibt, aber: die Burgergiganten haben einen ebenso gigantische Kundenpool, der so mit einem wichtigen Thema konfrontiert wird, und das ist für mich richtig und sinnvoll. Ich bewerte die Werbemaßnahmen bestimmt  anders als Mitglieder der LGBTQ+ Community, und ich kann verstehen, dass diese die Aktion schneller als heuchlerisch und nicht ernst gemeint abstempeln. Trotzdem: Für mich sind beide Kampagnen ein Schritt in die richtige Richtung. Und vielleicht geht es ja nicht nur mir so, dass ich lange über beide Kampagnen, beide Unternehmen und deren Standing zu gesellschaftlichen Themen nachgedacht habe. Und das könnte der viel größere Gewinn als ein schnell gesetztes Like oder Herzchen unter einem Social Media Post sein.

Deshalb also: Kategorie Sinnvoll. Mit dem Wunsch, dass sich in Zukunft in den Statements der Burgerketten zum Thema CSR weniger austauschbare Phrasen, sondern mehr echte „Glaubensbekenntnisse“ und damit verbundene Maßnahmen finden.

 

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