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Obdachlose zeigen Gesicht

Obdachlosigkeit ist in Deutschland ein unbeliebtes Thema und die Obdachlosen sind es leider oft auch. Gleichzeitig kommt niemand daran vorbei, sich mit diesem gesellschaftlichen Problem und vor allen Dingen mit den Menschen, die hiervon betroffen sind, auseinanderzusetzen. Die Deutsche Bahn Stiftung hat deshalb eine Wanderausstellung konzipiert, die zurzeit unter dem Titel „entkoppelt“ durch Deutschlands Bahnhöfe tourt. Im Mittelpunkt stehen Jugendliche, die auf der Straße gelebt haben oder immer noch leben und durch die Motive der Ausstellung ein Gesicht sowie eine Stimme nach außen erhalten. Es wird über Angebote gesprochen, die die jungen Erwachsenen nutzen um „nach vorne“ zu kommen und was diese letztendlich bewirken können.

Meine Meinung zu der Ausstellung ist weitestgehend positiv. Die Idee gefällt mir, die Aufmachung sieht gut aus und dazu regt es mich zum Nachdenken an. Zudem kann die ganze Ausstellung auch sehr gesellschaftskritisch verstanden werden, was sie definitiv auch sollte. Vorurteile beherrschen uns immer noch viel zu oft. Meistens wird nur der „obdachlose Verlierer“ gesehen, der sein Leben nicht verändern will. Aber ist das wirklich bei allen so? Ich glaube nicht. Diese Ausstellung beweist es. Fast jeder der 20 Jugendlichen will etwas aus sich machen und seiner momentanen Situation entkommen. Manche erzählen sogar davon, dass sie es bereits geschafft haben! Also finde ich es richtig und wichtig, dass Obdachlosen eine Stimme geschenkt wird. Denn ich glaube durch solche Aktionen kann ein Gefühl dafür entwickelt werden, dass jeder Mensch eine Geschichte mit sich trägt, die auch Respekt verdient – egal ob obdachlos oder nicht. Gleichzeitig frage ich mich aber natürlich, wieso sich nur auf die jungen Erwachsenen bezogen wird? Sind ältere Obdachlose „egal“ oder „nicht so wichtig“? Meiner Meinung nach würde die Ausstellung auch mit einer gemischten Altersgruppe funktionieren und so sogar noch vielfältiger wirken oder an Ausstrahlung gewinnen. Zudem muss ich sagen, dass es schon widersprüchlich ist, dass Obdachlose aus den Bahnhöfen vertrieben werden, aber jetzt in Form einer Ausstellung genau dort präsent gemacht werden.

Alles in allem bekommt „entkoppelt“ von mir trotzdem den Sinnvoll-Stempel. Ich finde es schön, dass Menschen, die häufig übergangen werden, eine Stimme geschenkt wird und sie in ein positiveres Licht gerückt werden. Jetzt stellt sich aber auch die Frage, ob diese Ausstellung Nachwirkungen mit sich zieht? Wenn ja, welche? Und wenn nein, wieso?

Was hältst Du von diesem Beispiel?
Sinn oder Unsinn?

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