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Airbnb, eine Welt, in der jeder überall zuhause sein kann?

Ric Boba Johnson ist eigentlich der perfekte Airbnb-Gast: 29 Jahre alt, reiselustig, flexibel, ein gut bezahlter Job. Und dennoch: Johnson bekam bei Airbnb zuletzt kaum ein Zimmer.
Dafür aber scharenweise Absagen, die im besten Fall  wie billige Ausreden klangen: „Oh, tut mir leid, das Zimmer wurde gerade vermietet.“ Oder Sätze, die ihn ganz unverblümt und direkt rassistisch beleidigten: „Ich hasse Schwarze, deswegen werde ich dir absagen. Das sind die Südstaaten hier, such dir einen anderen Platz für deinen N***rkopf!“

Und so erging es nicht nur Johnson. Im Mai hatten betroffene Nutzer mit dem Hashtag #AirbnbWhileBlack die Öffentlichkeit auf die auf der Plattform stattfindende Diskriminierung aufmerksam gemacht. Auch ich wurde stutzig und habe mich gefragt, ob man es als Schwarzer wirklich schwerer hat, auf Airbnb eine Unterkunft zu finden.

Und tatsächlich belegt eine Studie der Harvard University, dass Gastgeber mit klischeehaften „schwarzen“ Namen weniger Anfragen erhielten als Menschen mit üblichen „weißen“ Namen. Laut der Studie waren die Chancen auf ein Airbnb-Zimmer in verschiedenen US-Städten für Schwarze um 17% geringer als für vollkommen identische „weiße“ Testprofile. Gegen diesen offen gelebten Rassismus wurde seitens des Unternehmens bisher kaum etwas getan, so die Kritik der Community, die sich immer mehr gegen das Unternehmen Airbnb selbst gerichtet hat.

Diesen Image-Schaden wollte der selbsternannte „vertrauenswürdige Community-Marktplatz“ natürlich nicht auf sich sitzen lassen und führte Anfang November ein zustimmungspflichtiges Anti-Diskriminierungs-Bekenntnis für alle registrierten Nutzer ein:
„Du erklärst dich bereit, jeden – unabhängig von Rasse, Religion, Herkunft, Volkszugehörigkeit, einer Behinderung, Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung oder Alter – respektvoll, vorurteilsfrei und unvoreingenommen zu behandeln.“

Das Bekenntnis sei das Ergebnis „umfassender Anstrengungen“ seitens der Betreiber, „um Vorurteile und Diskriminierung in der Airbnb-Community zu bekämpfen.“ Wer diesem nicht zustimmt, darf künftig weder ein Zimmer anbieten, noch selbst eines reservieren.

Wenn Airbnb mit seinen Anstrengungen aber mehr als nur sein Image retten will, muss noch mehr passieren. Vor allem weil ich an der Umsetzung noch große Zweifel habe, denn nur weil man irgendwo ein Häkchen gesetzt und sich mit etwas „einverstanden“ erklärt hat, heißt das noch lange nicht, dass man sich auch daran hält.

Somit zeigt Airbnb einmal mehr, dass sie wissen, wie man Aufmerksamkeit erzeugt und die aktuelle Rassismus-Debatte geschickt nutzt, um ein schönes Zeichen für mehr Toleranz und gegen Diskriminierung zu setzen.
Dennoch: Auf eine solch ernsthafte Angelegenheit mit einer, meiner Meinung nach, recht platten PR-Maßnahme zu antworten, finde ich etwas schwach. Und so wird aus einer eigentlich sinnvollen Aufforderung eine sinnlose Werbeaktion. Deswegen von mir: Daumen runter für die dreiste Instrumentalisierung eines ernsten Rassismus-Problems.

Was hältst Du von diesem Beispiel?
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