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Coffee Content ohne Grundlage

Kaffee kann man immer und überall trinken. Das wäre aber ziemlich schade. Warum es viel schöner ist, ihn in Ruhe zu genießen und wieso ein Kaffee in gemütlicher Runde besser schmeckt als einer to go, verraten die sprechenden Tassen unserer aktuellen Kampagne – getreu dem Motto #coffeetostay.“ Mit diesen Worten setzt Eilles Kaffee in unserer immer enger durchgetakteten Welt ein Zeichen für Entschleunigung, Achtsamkeit und Genuss. Der typische to go-Pappbecher wird in der Kampagne durch Porzellantassen mit Messages wie „Schmeckt nach ‚bleib doch noch'“ oder „In Ruhe genießen gibt es nicht to go“ ersetzt.

Nach einer kurzen Recherche zu dieser Kampagne stoße ich mich an mehr als nur einem Punkt. Starten wir beim ersten. „Kaffee kann man immer und überall trinken. Das wäre aber ziemlich schade.“ Dieser Aussage stimme ich schlicht und einfach nicht zu. Achtsamkeit und Genuss, ja. Aber muss ich mich deswegen komplett dagegen entscheiden, Kaffee auch außer Haus zu genießen? Gerade dort kann Kaffee eine Pause im hektischen Alltag bedeuten. Nur weil ich meinen Kaffee to go nehme bedeutet das nicht, dass ich ihn nicht genieße.

Zweitens lässt die Kampagne im Battle #coffeetogo vs. #coffeetostay das Wichtigste außen vor: das riesige Müllproblem, das mit der to go-Kultur Hand in Hand geht. Natürlich brauche ich keinen Pappbecher, wenn ich meinen Kaffee eh nur zuhause trinke, weil ich mir dafür Zeit nehmen möchte. Aber sollte nicht genau dieser kaum recyclebare Pappbecher der Beweggrund dafür sein, sich morgens öfter mal fünf Minuten mehr Zeit für den Kaffee am eigenen Esstisch zu nehmen? Von einem großen Kaffeehaus hätte ich mir hier ein bisschen mehr Corporate Social Responsibility gewünscht.

Darüber hinaus gibt es für mich einen dritten, vielleicht noch größeren Haken. Die Kampagne hat ihr eigenes Hashtag #coffeetostay – aber keinen aktiven Instagramaccount. Wo, wenn nicht hier, soll ich mit der Marke in Kontakt treten, mich mit anderen Kaffeeliebhabern über Röstung und Aroma austauschen und meinen Coffee Content mit dem Hashtag #coffeetostay hochladen? Das macht für mich leider wenig Sinn. So wirkt die Kampagne aufgesetzt und wie der verzweifelte Versuch, der etwas antiquiert daherkommenden Marle Eilles Hipness einzuhauchen. Warum kann ich die Kampagnenvideos nicht auf dem YouTubekanal von Eilles sehen? Wo sind die Infos zu Herstellung und Kaffeekultur? Wo die Insidertipps und Rezepte? Den Aufruf, Kaffee wieder bewusster zu genießen, wertzuschätzen und damit öfter zu Hause aus Porzellantassen zu trinken finde ich super – aber mir fehlt das Futter. Ein Hashtag allein macht noch keine Bewegung. Dafür braucht es Inhalte. Deshalb – Prädikat Unsinn. Auch wenn ich meinen Kaffee gerne zuhause oder wenn to go, dann aus einem selbst mitgebrachten Mehrwegbecher trinke.

Image Credit: Eilles Kaffee

 

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