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Die Qual zur Wahl.

Pünktlich zur Bundestagswahl veröffentlichten die Parteien ihre Wahlkampfspots als eine visualisierte Kurzfassung ihres Programmes. Von Singsang bis zu klaren Worten ist alles dabei, denn die Aufmachung obliegt den Parteien.

Als kleine Vorbereitung und für alle, die die Spots vielleicht noch nicht gesehen haben, hier einmal eine Linkübersicht:

CDU https://www.youtube.com/watch?v=W71tUlrMeD4

Die Grünen https://www.youtube.com/watch?v=Em_WUdK5WKI

Die Linke https://www.youtube.com/watch?v=j_AS5WOaylM

FDP https://www.youtube.com/watch?v=btYzvvmphJA

SPD https://www.youtube.com/watch?v=6Kwx8nanRSo

Volt https://www.youtube.com/watch?v=HpL0CgxJtz0

Ziel der Spots ist es, uns Bürger durch das Wahlprogramm zu führen und das in relativ kurzer Zeit. Es gibt auf jeden Fall Gemeinsamkeiten bei der Zielsetzung der Parteien. Das Interessante an den Spots ist die Umsetzung jeder einzelnen Partei. Inhaltlich geht es in jedem Video – etwas sehr oberflächlich gesagt – um Umwelt, Arbeit und das Bilden einer Gemeinschaft. 12,00 € Mindestlohn, 400.000 neue Arbeitsplätze jährlich, mehr bezahlbarer Wohnraum und Subventionen für die Landwirtschaft und den ÖPNV sowie Steuersenkungen, um nur einige Beispiele zu nennen. Selbstverständlich klingt das alles super und ist unterstützenswert. Aber die Frage, wie wir diese Ziele erreichen wollen, bleibt. Man erkennt in den Spots schon zwischendurch Lösungsansätze, doch daraus ergeben sich dann wieder neue Fragen. Was letztendlich von den großen Versprechen zur Realität wird, werden wir dann sehen.

Und dann kommt das zweite Problem. Um nochmal genauer aufzuzeigen, was ich meine: Beim Durchschauen der Werbevideos fallen ständig Aussagen wie „Aufbruch leben“ (Die Grünen), „Heimat schützen“ (CDU) oder „Waffenexporte stoppen“ (Linke). Da denke ich mir, ja klar, Aufbruch ist super – feststecken will keiner. Und meine Heimat soll natürlich geschützt und Kriege beendet werden. Aber so einfach funktioniert die Welt nicht!

Ich möchte nochmal klarstellen, dass ich mich hier weder für noch gegen Parteien und ihr Programm ausspreche. Aber soll ich eine Frau Baerbock wählen, die mir ein Lied vom Frieden und der heilen Welt dichtet? So wichtige Ziele, wie die der Grünen, können doch nicht durch einen zum Fremdschämen gemachten „Singsang“-Wahlspot thematisiert werden. Nach dem Spot habe ich eher das Gefühl, dass ich diese Partei auf gar keinen Fall in der Politik sehen möchte.
Oder einen Herrn Laschet, der mit Aussagen wie „Ich stelle mich Hass, Hetze und Gewalt entgegen“ oder „Ich weiß, dass wir das können“, anscheinend nur sich selbst feiert. Dabei wird er alleine gar nicht so viel erreichen können, das geht alles nur ZUSAMMEN.„Zusammen“ ist ein gutes Stichwort für die SPD, die zumindest begriffen hat, dass unsere Stimmen nötig sind, um überhaupt im Bundestag vertreten zu sein. „Aus Respekt für [mich und] mit Kompetenz für Deutschland“ bittet Herr Scholz fast demütig um seine Kanzlerschaft.

Auch die Linke kommuniziert sehr direkt, wie wichtig der Partei wir Bürger sind und wirft fröhlich mit so ziemlich allen möglichen Floskeln zu den relevanten Themen um sich. Vom gesellschaftlichen Respekt zum Gesundheitssystem, weiter zu Verbot von Waffenexporten und dem Schaffen von Arbeitsplätzen, denn die Wirtschaft muss der Gesellschaft dienen und nicht umgekehrt. Bei so viel Input auf einmal kommt man ja überhaupt nicht mehr hinterher.
„Warten wir nicht länger – nie gab es mehr zu tun“, lautet der Slogan der FDP. Ich sage: Ja Herr Lindner! Wir sollten etwas tun und es ist super, dass die FDP das auch gemerkt hat. Aber wollen wir knallharte Worte mit schwarz-weiß Bildern untermauert und bedrückender Musik – ich weiß nicht. Dann doch lieber das bunte Beisammensein im Sonnenuntergang von der Partei Volt. Zwischen Fladenbrot und einer Chili-Pflanze fühle ich mich beim Picknick eigentlich immer ganz wohl. Bei so viel Positivismus kann man fast vergessen, dass wir gerade größere Probleme haben.

Also was soll ich noch groß sagen. Die Wahlspots haben für mich einfach keinen Mehrwert. Floskeln bringen uns das Wahlprogramm einfach nicht näher und ist das nicht der Sinn dieser Spots??? Ein paar mehr Einblicke in die Lösungsansätze wären schön gewesen, zumal vielleicht einige Menschen sowieso schon eine Einordnung der Parteien und ihrer Ziele im Kopf haben. Für mich persönlich war kein einziger Spot dabei, der mich inhaltlich oder durch die Umsetzung überzeugt hat. Die Videos trugen eher dazu bei, meine Parteienbilder ins Negative zu korrigieren. Dementsprechend gibt es von mir nur den SINNLOS-Stempel.

Was hältst Du von diesem Beispiel?
Sinn oder Unsinn?

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