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Gesichtet: Bild gewordener Sexismus auf der Toilette

Der erste Gedanke, den ich zu dem Bild hatte, war „Hä?!“, der zweite Gedanke war: „Ach so!“ und dann war es auch noch ein bisschen lustig. Ich wusste allerdings nicht, was ich dazu wirklich denken sollte. Und dann verschaffte sich der folgende, aufreibende Gedanke Platz in meinem Kopf: „Das ist irgendwie schon sexistisch…“ Frauen müssen in der Regel immer zu zweit zur Toilette gehen und das dauert dann meistens auch noch, weil Gespräche über Gott und die Welt geführt werden MÜSSEN – so denkt zumindest der vorurteilende Mensch.

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So sind aber nicht nur wir Frauen. In Wahrheit können Männer das nämlich auch verdammt gut! Es folgt ein Beispiel aus meinem diesjährigen Festivalsommer: Ich befinde mich zwar nicht auf der Toilette, dafür aber in der Dusche morgens um halb acht (wieso auf Festivals geduscht wird, ist ein anderes, nicht zu diskutierendes Thema…). In der Damendusche herrscht wunderbare Stille, niemand beschwert sich über das kalte Wasser. Es fällt kein „Kann ich mir mal dein Duschgel leihen?“ und es wird auch nicht über die typischen Frauenprobleme debattiert. Wenn überhaupt werden ausgewählte Melodien des am Vortrag gesehenen Lieblingsacts gesummt. Es werden auch keine abfälligen Blicke abgefeuert, weil jemand nicht die Instagram-tauglichen Maße 90-60-90 hat. Während man sich also eine kleine Dosis Luxus zwischen jeder Menge Dosenbier, Dosenfutter und lauter Musik gönnt, kommen aus der Herrendusche, gleich nebenan, wirklich störende Laute. Von einem tiefen „Ahhhhh!“ bis hin zum sehr piepsigen „Oh Gott ist das kalt!“, war alles dabei. Völlig in Ordnung – keine Frage. Ich hätte mich am liebsten genauso lauthals über die Wassertemperatur beschwert, aber wozu? Dadurch wird das Wasser schließlich auch nicht wärmer. Genau das beweist doch auch, dass wir Frauen manchmal wirklich die Klappe halten können und uns nicht über alles beschweren und auch nicht alles bis zum bitteren Ende ausdiskutieren müssen. Besonders schön fand ich auch, dass die Männer sich unüberhörbar über uns Frauen unterhalten und sich selbst gefragt haben, wieso es denn so still bei uns da drüben wäre. Das hat meinen, doch recht ungewöhnlichen oder sagen wir überraschenden Eindruck, von einer wirklich ruhigen Frauen-Badezimmer-Situation, jetzt im Nachhinein noch bestätigt beziehungsweise eher befriedigender gemacht.

Natürlich macht es einen Unterschied, ob man völlig schlaftrunken und vielleicht sogar noch ein bisschen betrunken unter der Festivaldusche steht oder nach zwei, drei oder vier Cocktails zusammen mit der besten Freundin die Toilette aufsuchen muss, um neben anderen Tätigkeiten auch noch zufällig den neusten Tratsch zu bequatschen, aber Fakt ist: Männer können auch echte Quasselstrippen sein! Dementsprechend reicht ein einfaches „BLA“ auf der linken Tür für meinen Geschmack nicht aus. Ich fand diese Türen einen Moment lang schon irgendwie lustig, aber mit jeder Sekunde, die ich dieses Bild auf mich wirken lasse, wird es für mich immer sinnloser. Wenn es nach meinem Gedankengang gehen würde, dann müsste ich ja sogar vorher noch entscheiden, ob ich in Quassellaune bin oder lieber schweigen möchte und im schlimmsten Fall müsste ich dann unangenehme Begegnungen auf der Toilette erklären. Und ich habe noch nicht einmal angefangen darüber nachzudenken, wie Touristen das Ganze verstehen und interpretieren sollen. So ganz eindeutig ist nämlich nicht, ob ich jetzt durch die rechte oder linke Tür gehen muss. Dann doch lieber die typischen Toilettenmännlein oder –weiblein. Für mich also definitiv Unsinn! Schön ist aber trotzdem, dass ich mich dadurch an einen wirklich tollen Sommer erinnern durfte.

 

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