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H&M als scheinheiliger Nachhaltigkeitsbotschafter

Bereits im April dieses Jahres hat der Moderiese H&M die Initiative „Role Models“ gelauncht. Im Vordergrund stehen dabei Kinder, die sich für Themen wie Umweltschutz, Tierschutz, Weltfrieden, Gleichberechtigung oder Selbstliebe stark machen und sich beispielsweise gegen Rassismus oder Mobbing einsetzen. Zusammen mit der Agentur Alto und dem Oscar nominierten Regisseur Bryan Buckley wurde ein sechsminütiges Video produziert, in dem Kinder erzählen, welche die größten Probleme unserer Welt sind und welche Gedanken sie dazu haben.

In minimalistischer Outdoorkulisse erzählen die Kinder über die aus ihrer Sicht größten Probleme der Welt. Die Antworten decken alle möglichen Themenfelder ab. „Die Erde wird zu einer großen Mülltonne“, „Jeder ist gemein zueinander.“, „Jungen und Mädchen werden nicht gleichbehandelt.“ und „Corona.“, sind nur ein paar Antworten. Bereits nach diesen wenigen Sekunden merkt man als Zuschauer, wie überlegt und aufmerksam jedes einzelne der Kinder ist. Die Frage, ob Erwachsene gute Vorbilder abgeben, wird ausnahmslos verneint. Es wird kritisiert, dass Kindern oft gar nicht erst zugehört wird. João, ein zehn Jahre alter Junge aus Rio de Janeiro sagt: „Wir sind Menschen. Es gibt keinen Unterschied zwischen einem Kind und einem Erwachsenen. Außer der Körpergröße.“ Und alle kleinen Helden glauben fest daran, dass Kinder die Welt verändern und Vorbilder sein können.

Der Film bringt meiner Meinung nach perfekt rüber, wie erwachsen fünf- bis elfjährige Kinder über die großen Themen dieser Welt denken. Ich bin mir nicht sicher, ob Erwachsene es geschafft hätten, mich so an den Bildschirm zu fesseln. Nach der Hälfte des Videos, als die Kinder darüber sprechen, was sie machen, um die Welt zu verbessern, hatte ich wirklich Gänsehaut. Erfindungen, um die Ausbreitung des Corona-Virus‘ in Kenia einzudämmen, Müllsammlung, die Rollstühle produzieren lässt und einem elf Jahre alten Jungen, der bereits ein eigenes Unternehmen (Ryan’s Recycling) hat, gibt glaube ich einen ganz guten Überblick darüber, wie klug Kinder sind und welchen Respekt sie von uns Erwachsenen eigentlich verdient haben.

Grundsätzlich macht H&M mit dieser Initiative vieles richtig. Die Protagonisten sind mehr als gut gewählt und die Umsetzung durchdacht! Man muss zwar ein bisschen nach der Landingpage suchen, weil sie auf www.hm.com/kids ganz unten versteckt ist, aber sich dann durch die verschiedenen Geschichten zu klicken, inspiriert meiner Meinung nach extrem und zeigt, dass wir Erwachsenen uns wohl eine große Scheibe von den Kindern abschneiden können.

Image Credits: H&M

Aber kaufe ich H&M das wirklich ab? Am Anfang ja, einfach weil ich diesen Kids alles abkaufen würde. Aber mit H&M als Absender bekommt die ganze Aktion einen komischen Beigeschmack. Nachhaltigkeit rückt aktuell ja immer mehr in den Vordergrund und auch immer mehr Menschen möchten nachhaltiger leben. Klar passen die Unternehmen da ihre Kommunikation an, aber H&M als Nachhaltigkeits-Botschafter? Das kaufe ich denen irgendwie nicht ab – auch wenn sie das fleißig behaupten und bis 2040 sogar „klimapositiv“ sein möchten. Der große Haken für mich dabei: Im Nachhaltigkeitsreport von H&M steht, dass sie innerhalb ihres eigenen Einflussbereichs seit 2017 ganze 0% CO2 eingespart haben. Hammer, oder? An dieser Stelle könnte man noch weiter ins Detail gehen, aber das würde vermutlich den Rahmen sprengen …

Könnte ich getrennt bewerten, bekämen die Kids von mir ein fettes „SINNVOLL“ und H&M als ach so nachhaltiges Unternehmen *Ironie aus* definitiv das SINNLOS!!! Der gute Wille ist ja anscheinend da, aber nach außen zu kommunizieren, was von innen heraus noch nicht funktioniert, ergibt für mich keinen Sinn.

Was hältst Du von diesem Beispiel?
Sinn oder Unsinn?

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