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Wie viel Werbung braucht der Glaube?

Vor zwei Jahren hatte das Domkapitel eine Ausschreibung für ein neues Corporate Design getätigt. Ziel: Ein neues Logo für unser Kölner Wahrzeichen. Über 300 Agenturen bewarben sich auf die Ausschreibung. Die Werbeagentur jäger & jäger wurde schließlich ausgewählt das neue Logo für den Dom zu designen. Die Logo-Investitionen beliefen sich auf 80.000 €.

Image Credits: Hohe Domkirche Köln/Agentur jäger & jäger

Laut Dompropst Guido Assmann soll das neue Logo die Institution von anderen Einrichtungen abheben, denn der Kölner Dom steht für mehr als nur den Glauben. Er ist die Grabstätte der Heiligen drei Könige, ein Ort für Kunst und Kultur und eine Willkommensstätte für Menschen aus aller Welt. Diese Elemente sollten auch im neuen Logo aufgegriffen werden. So bilden die unteren drei goldenen Zacken eine Krone, stellvertretend für die drei Könige und die oberen Dreiecke die zwei bekannten Domspitzen, welche sich im Rhein – die lilafarbenen Dreiecke – spiegeln. Zudem besitzen Dreiecke in der Kirche eine große Bedeutung; sie stehen für den dreieinigen Gott. Alles also sehr sinnvoll und durchdacht.

Aber jetzt stellen wir uns nochmal der Frage, warum genau 80.000 Euro in die Entwicklung eines Logos investiert werden mussten? Wie viel Werbung braucht eine Kirche? Für mich stellt die Kirche eine Glaubenseinheit dar. Wieso also muss ein Logo ausdrücken, für welche Werte der Kölner Dom steht. Ich gehe schließlich nicht in die Kirche, weil ich das Bild vor der Tür ansprechend finde, sondern weil ich von dem Inhalt, dem was die Kirche und mein Glaube mir bietet, überzeugt bin. Und das gilt nicht nur für mich. Die weltbekannte Kathedrale zieht auch ohne einheitliches Logo jährlich ca. 6 Millionen Menschen nach Köln (wenn nicht gerade eine Pandemie herrscht). Warum also ein Logo, um sich von anderen Kirchen abzugrenzen?! Und dann auch noch für den Preis?

Ich möchte nochmal klar ausdrücken, dass ich sowohl den Anlass, als auch das Design des Logos wirklich sinnvoll und durchdacht finde. ABER: Der Zeitpunkt einer solche „Werbemaßnahme“ ist einfach nicht ideal gewählt. Denn es herrschen immer noch Kritik und Diskussionen bezüglich der Missbrauchsvorwürfe sowie Unentschlossenheit bei einigen Gläubigen in der katholischen Kirche vor. Somit sollte das Domkapitel sich nicht mit der Veröffentlichung des neuen Dom-Logos beschäftigen, sondern eher um Aufklärung bemühen. Denn der Kölner Dom besitzt bereits internationale Strahlkraft und steht für die Einheit im Glauben. Und kein „Siegel“ wird daran etwas ändern. Die irrelevante Kommunikationsmaßnahme bekommt von mir den SINNLOS-Stempel!

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Sinn oder Unsinn?

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